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Die "EuroSpethmann" Internet Seite:

Wie geht es Deutschland eigentlich? Wie wird es uns in Zukunft gehen? Wer stellte sich diese Fragen nicht? Da mein Leben mich gelehrt hat, in Zahlen zu denken, biete ich Ihnen einige auf Zahlen gestützte Analysen.

Zunächst: Was machen die Güter und Dienstleistungen aus, die wir pro Jahr erstellen, also das BIP pro Kopf? Eine neue UNO-Statistik zeigt, dass die Spitzengruppe dieser Staaten, gerechnet ohne Kaufkraftbereinigung, gebildet wird von Norwegen, den USA und der Schweiz. Deutschland kommt hier nicht mehr vor, was 1989 noch der Fall war. Andere Mitgliedsländer der EU aber kommen diesen Ländern nahe: Luxemburg, Irland, Dänemark, Österreich, die Niederlande.

Deshalb füge ich eine Graphik von Eurostat bei, dem statistischen Amt der EU. Sie zeigt den derzeitigen Wohlstand in den verschiedenen Ländern der EU25, die Deutschland zusammen mit 24 anderen Staaten seit dem 1. Mai 2004 bildet, ausgedrückt in BIP pro Kopf kaufkraftbereinigt. Es ergibt sich ein neues Bild. Deutschland, das 1989 (gemeinsam mit dem kleinen Dänemark) noch an der Spitze dieser Tabelle gelegen hatte, ist deutlich abgerutscht. Wenn man den Durchschnitt der EU25 gleich 100 setzt, liegt Deutschland nur noch bei 108. Das ist weniger als der heutige Durchschnitt der EU15, wie sie bis zum 30. April 2004 bestand. Der beträgt nämlich 109. Über diesem Durchschnitt aber liegen sage und schreibe zehn EU-Länder, von Finnland bis Luxemburg, darin auch Frankreich, die mit 111 bis 208 ausgewiesen werden. Vor allem verweise ich auf das günstige Abschneiden der drei nicht dem Euro angehörigen EU-Länder Grossbritannien, Dänemark und Schweden mit 119, 123 und 115 Punkten. Island, die Schweiz und Norwegen, weder Euro- noch EU-Mitglieder, werden mit 116, 129 und 149 Punkten ausgewiesen. Alles in allem: Ein erschütterndes Zurückfallen Deutschlands.

Die Deutschen dürfen sich also fragen, was sie seit 1989 falsch gemacht haben. Dieses ist das vorrangige Thema meines Buches und dieser Website.

 

 

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Dabei sehe ich die entscheidende Änderung gegenüber der Bonner Republik, die unser pro-Kopf-Einkommen ab 1949 auf die Höhe von 1989 gebracht hatte, in dem dramatischen Kurswechsel der deutschen Währungspolitik anlässlich der Einführung der DMark in der DDR. Diese wurde mit einer Hartwährung überzogen, ohne dass die allermeisten ihrer Betriebe die damit verbundene Umstellung von Löhnen und Gehältern im Verhältnis 1:1 hätten hereinverdienen können. Es fehlte ihnen an der hierfür nötigen Arbeits- und Kapitalproduktivität. Dem dringenden Rat des damaligen BDI-Präsidenten Tyll Necker und meiner Wenigkeit, der ich sein Stellvertreter war, nämlich die Wiedervereinigung mit der Schaffung moderner Arbeitsplätze in der DDR zu beginnen, widersetzte sich die Bonner Politik. Sie verzichtete auf reale wirtschaftliche Konvergenz. Von daher die progressive wirtschaftliche Verödung der neuen Bundesländer mit einer Westwanderung von weiteren rd 2 Millionen Menschen seit dem Fall der Berliner Mauer - ein voraussehbares und auf Dauer unerträgliches Phaenomen, für dessen Überwindung ich bisher allerdings kein einziges politisches Konzept habe lesen können. Wie wollen die deutschen Ostprovinzen gegen die Polen und die Tschechen konkurrieren, allesamt tüchtige Leute?

Seit im Dezember 1991 der Maastricht-Prozess über die Einführung einer gemeinsamen Währung in der EU begann, wurde dieser Fehler wiederholt: Verzicht auf reale Konvergenz. Die Deutschen schlugen sie in Maastricht als "Krönungstheorie" vor, fanden damit aber keine Gnade bei anderen. Stattdessen schuf der Maastricht-Vertrag, und die Deutschen stimmten ihm zu, eine politische Währung. Sie bedient sich zwar einiger sogenannter "Konvergenzkriterien." Aber diese sind nur formaler Natur. Reale Konvergenz haben diese Kriterien bisher nicht erreicht und auch nicht erreichen können. Ein Beispiel: Im Jahre 1992, dem Jahr der Unterzeichnung des Maastricht-Vertrages, musste Italien für Zinsen auf seine Staatsschuld noch mehr als 12% seines BIP aufwenden, Deutschland hingegen nur 2,5%. Heute zahlt Italien weniger als 6% seines BIP, Deutschland aber deutlich mehr als die vorgenannten 2,5% - eine Umkehrung, die ihre Ursachen nicht in oekonomischen Gründen hat, sondern ausschliesslich in politischen.

Gewaltige Veränderungen mit der Einführung des Euro

Es haben sich nämlich mit der Einführung des Euro am 1. Januar 1999 im Bereich der öffentlichen Finanzen der Euro-Mitgliedsländer gewaltige Veränderungen ergeben - tektonische Verschiebungen, dem Auge des Bürgers nicht ohne weiteres erkennbar. Bis dahin hatte jedes EU-Mitgliedsland für seine langfristigen Staatsschulden selbstverständlich seinen eigenen Nominalzins gezahlt, in dessen Zinsbestimmungsfaktoren die voraussichtliche nationale Inflation von Jahr zu Jahr berücksichtigt wurde. Könnte man genauere Untersuchungen anstellen, käme wahrscheinlich heraus, dass der durchschnittliche Realzins der damaligen 11 Euro-Kandidaten bei 2,5 - 3% pa lag. In dieser Grössenordnung bewegte sich übrigens auch der Realzins, mit dem Deutschland in dem Jahrhundert vor dem Ersten Weltkrieg vom Agrar- zum Industriestaat gemacht wurde.

Alles dieses änderte sich schlagartig am 1. Januar 1999. Die Financiers der früheren Weichwährungsländer Italien usw waren plötzlich damit zufrieden, dass ihre Schuldner, da sie ja jetzt Euro schuldeten, ihre Staatsschuld nur noch mit dem deutschen Niedrigsatz verzinsten, allenfalls um wenige Basispunkte erhöht. Damit gaben und geben sie zu erkennen, dass ihrer Erwartung nach irgendjemand den Euro stabil halten werde. Wer das wohl sein soll? Im Jahre 2002, und das wiederholt sich Jahr für Jahr, ersparten die Länder Italien usw gegenüber 1992 an Zinsaufwand auf ihre öffentlichen Schulden rd 120 Milliarden Euro, mehr als das offizielle EU-Budget, das nur rd 100 Milliarden Euro beträgt. Da es aber ab 1999 bei dem grundsätzlichen Befund blieb, dass Deutschland auch in Euro eine erheblich geringere Inflation praktiziert als Italien usw, laufen die Realzinsen der Mitgliedsländer der Euro-Zone seither auseinander. Ich bin der Meinung, dass sich hierin ein gewaltiges Potential an Sprengstoff entwickelt. Denn Neuinvestitionen streben in die Zonen niedrigerer Realzinsen, weil billigerer Finanzierung. Auch deshalb verliert Deutschland immer mehr Arbeitsplätze.

Früher hatten wir eine Weltwährung namens DMark - und vermehrten die Arbeitsplätze. Jetzt haben wir eine Weltwährung namens Euro und bauen Arbeitsplätze ab

Sieht das niemand in Berlin, oder warum wird das Thema nicht aufgegriffen? Ab 1985 gelang der Wirtschaft der Bonner Republik immerhin das Kunststück, die Zahl der angebotenen Arbeitsplätze von rd 27 Millionen auf mehr als 29 Millionen in 1989 zu erhöhen. Diese Erfahrung liegt noch nicht so lange zurück, als dass man sie vernachlässigen könnte.

 

 

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Der Euro als eine Ursache der deutschen Finanzmisere

 

Ein Sonderthema: Indexierte Staatsanleihen

Zum Zinsproblem zeichnet sich eine Besonderheit ab: Indexierte Staatsanleihen. Nachdem die Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium bekannt gegeben hatte, Deutschland werde für die Kaufkraftsicherung solcher Anleihen einen europäischen Index anlegen, warnte ich Bundesfinanzminister Eichel: Deutschland habe in den 50 DMark-Jahren deutlich niedriger inflationiert als seine Nachbarn, und diese Entwicklung setze sich im Euro fort. Warum also nicht einen an der niedrigeren deutschen Inflation angelegten Index wählen statt den höheren, der sich nach der Inflation der Euro-Zone richtet? Die Berliner Entscheidung steht wohl noch aus.

Ende Oktober hat Italien eine indexierte Staatsanleihe über 4 Millliarden Euro aufgelegt, deren Basiszins mit nur noch 2,35% pa angegeben wird. Sie wurde überzeichnet. Ich frage mich: Was denken sich diese Zeichner eigentlich? Glauben Sie im Ernst, die Kaufkraft der von ihnen bei Zeichnung hingegebenen Gelder sei bei Rückzahlung 2035 durch die in den Anleihebedingungen formulierten Indexklauseln gesichert? Glauben sie im Ernst, Deutschland werde 2035 dem Euro noch angehören? Glauben sie im Ernst, Deutschland werde innerhalb des Euro-Systems jemals die Rolle des Lender of Last Resort übernehmen? All dieses glaube ich nicht. Vielmehr sehe ich in diesem Vorgang ein Marktversagen, zumal dann, wenn man davon ausgeht, dass die italienische Inflation auch in Zukunft oberhalb des Euro-Durchschnitts liegen wird. Die unter diesem Durchschnitt liegenden Ländern verschaffen Italien ihrerseits mit indexierten Staatsanleihen niedrigere Zinsen als oekonomisch begründet.

Hierzu und zu dem Irrsinn, den Bundesfinanzminister Eichel mit den deutschen Staatsfinanzen betreibt, indem er das Marshall-Plan-Sondervermögen zwecks Vereinnahmung im Bundeshaushalt auflösen will, habe ich am 21. November 2004 einen Artikel geschrieben, den ich beifüge.


 

 

 

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Die Sonderrolle der zehn EU-Beitrittsstaaten vom 1. Mai 2004

Hinsichtlich der am 1. Mai 2004 beigetretenen EU-Staaten hört man jetzt (FAZ vom 21. Oktober 2004: "Den neuen EU-Staaten fehlt die Reife für den Euro"), vom EZB.Präsidenten Trichet, alle neuen Mitgliedsländer hätten noch grosse Herausforderungen vor sich, bevor sie dem Euro beitreten könnten. "Mit besonderer Sorge betrachtet die EZB die Verschlechterung der finanzpolitischen Lage in vielen der neuen EU-Staaten." Diese Vorsicht der EZB finde ich gut, zumal jetzt, nachdem man herausgefunden hat, welche Besonderheiten es waren, die Griechenland zum 1. Januar 2001 die Tür zur Euro-Mitgliedschaft öffneten; in meinem genannten Buch findet der Leser ein Kapitel über meine frühe Warnung gegenüber dem griechischen Euro-Beitritt. Für die jetzigen Beitrittsländer enthält die von Herrn Trichet eingenommene Position andererseits grosse Chancen. Jedes dieser Länder kann nämlich versuchen, an der Frankfurter Börse (beispielsweise) Euro-Anleihen zu placieren, deren Zins gewiss niedriger wäre als für eine Anleihe in jetziger Heimatwährung. Prag hat das schon vorgemacht. Andererseits möchte manches dieser Beitrittsländer herausfinden, dass die Nicht-Mitgliedschaft im Euro, wie sie heute von Grossbritannien, Dänemark und Schweden praktiziert wird, auch ihre Reize hat, vor allem oekonomischer Natur: Mehr Wachstum.

Die Türkei-Frage

Die Türkei-Frage habe ich bisher nicht behandelt. Da aber die dortige Währung, das Türkische Pfund, seit Jahrzehnten mit zweistelligen Jahresraten inflationiert, ist es heute nur noch 0,0000006 Euro wert. Also muss man 1,7 Millionen Türkische Pfunde aufwenden, um einen Euro zu erwerben. Den Befürwortern eines EU-Beitritts der Türkei sei geraten: Die Türkei möge zunächst einmal während eines Jahrzehnts unter Beweis stellen, dass sie die seit 1999 geltende maximale Soll-Inflationsrate der EZB einhält: 2% pa. Dann kann man weitersehen. Ich warne vor dem monetären Weg von Maastricht nach Istanbul. Er möchte sich als gebohnerte Rutschbahn erweisen. Derzeit wird die laufende Inflation der Türkei auf 9,9% pa geschätzt.

 

 

FAZ vom 21. Oktober 2004: "Den neuen EU-Staaten fehlt die Reife für den Euro"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie vergleicht sich die EU mit Organisationen privaten Rechts?

Staaten sind Körperschaften Öffentlichen Rechts. Um zu verstehen, wie sie sich zueinander verhalten, kann man durchaus einen Blick darauf werfen, wie Körperschaften Privaten Rechts sich zueinander verhalten, also z.B. Aktiengesellschaften (AG's).Wollen zwei oder mehr AG's ihre Kräfte bündeln, haben sie prinzipiell zwei Möglichkeiten: Sie können fusionieren oder aber kartellieren. Bei Fusion bleibt in der Regel nur eine AG übrig. Bei Kartellierung bleibt jede AG als solche bestehen, überträgt aber die Verfolgung eines bestimmten Zwecks auf ein Kartell (z.B. Verkauf bestimmter Produkte). Die Schaffung eines europäischen Zentralstaates wäre eine Fusion gewesen - die Anhänger dieser Idee leben glücklicherweise mit schwindenden Chancen. Also darf man die EU, um sie besser zu verstehen, als ein Kartell von Staaten verstehen, besser noch: Als eine Anzahl von Kartellen verschiedener europäischer Staaten zu verschiedenen Zwecken. So ist auch die Euro-Gruppe ein eigenständiges Kartell. Die Zusammenführung von bisher 12 nationalen Währungen zu einer Einheitswährung namens Euro ist nur scheinbar eine Fusion. Denn die Banknoten werden weiterhin von der jeweiligen Nationalbank herausgegeben, aber jede mit einem anderen Kennzeichen, die Deutsche Bundesbank beispielsweise mit dem X. Nur so kann die deutsche Politik darauf vorbereitet bleiben, den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts vom 12. Oktober 1993 notfalls zu entsprechen, wenn nämlich eine der dort genannten Voraussetzungen für ein Ausscheiden Deutschlands aus dem Euro gegeben ist.

 

   

Peter Bohley: Der Euro als Wachstumsbremse

Mein Schweizer Kollege Peter Bohley, Professor Emeritus der Universität Zürich, befasst sich in einem kürzlich im HWWA-Archiv erschienen Aufsatz, den ich hier beifüge, mit der Frage, ob der Euro als Wachstumsbremse wirke. Ich empfehle dem Leser dringend das Studium dieser Arbeit. Sein Facit: "Die Einführung des Euro muss als eine der grössten wirtschaftspolitische Fehlentscheidung in Deutschland nach 1945 angesehen werden."

 

 

 

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Die EU im Jahre 2010 der leistungsfähige Wirtschaftsraum der Welt?

Im März 2000 hatten die EU-Staats- und Regierungschefs ihre sogenannte "Lissabon-Strategie" beschlossen, die die EU bis zum Jahr 2010 zur wachstumsstärksten entwickelten Volkswirtschaft der Welt machen sollte. Nach Einschätzung einer Gruppe von Fachleuten um den früheren niederländischen Ministerpräsidenten Wim Kok hat die EU die damit in sie gesetzten Hoffnungen jedoch nicht erfüllt. Diese Gruppe war im März von den Staats- und Regierungschefs mit einer Beurteilung der Lissabon-Strategie beauftragt worden. "In den vergangenen vier Jahren hat sich die Wirtschaft der EU enttäuschend entwickelt", heißt es in dem Bericht der Kok-Gruppe, der der FAZ vorliegt. Die Wachstumslücke zwischen der EU und den Vereinigten Staaten habe sich seit 2000 noch vergrößert. Das sei vor allem das Ergebnis mangelnder Reformbemühungen in den Mitgliedstaaten. Als weiteren Grund nennt die Gruppe die inhaltliche Überfrachtung der Strategie: "In der Lissabon-Agenda ist von allem die Rede - und damit von nichts. Sie macht jeden verantwortlich - und damit niemanden." Die Kok-Gruppe, der als deutscher Vertreter der Hamburger SPD-Politiker Thomas Mirow angehört, fordert vor allem eine rasche vollständige Öffnung der nationalen Dienstleistungsmärkte.

Ich glaube nicht, daß eine solche vollständige Öffnung politisch erreichbar ist. Zu groß würden in vielen Fällen die durch low-cost-competition verursachten Remanenzkosten in den Ländern mit den höchsten Lohn- und Gehaltsniveaus. Mein anliegender "Freundesbrief" vom 2. Februar 2005 befasst sich mit Einzelheiten der Thematik Lastenausgleich innerhalb der EU.

 

 

 

Die Lissabon-Strategie läuft ins Leere

Kok-Gruppe bemängelt Wirtschaftsentwicklung in der EU / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.11.2004, Nr. 255 / Seite 11

 

 

 

 

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John Chown: Noch keine Währungsunion hat Bestand gehabt

2003 erschien in London ein bedeutendes Werk: "A History of Monetary Unions." Verfasser war John Chown, Verleger Routledge's. Ich wurde von mehreren wis-senschaftlichen Zeitungen gebeten, eine Rezension in deutscher Sprache zu erstellen. Diese finden Sie anliegend. Ab Seite 197 behandelt Chown in Teil VII die Europäische Währungsunion EMU, "It was all ‚spin' and no substance." So kennzeichnet Chown das grundlegende Dokument ("Green Paper") der EU-Kommission von Mai 1995: "...a serious disappointment ... more of a propaganda document". Hart geht er ins Gericht ("... it was wrong...") mit der These des "Green Paper," dass nationale Autonomie in der Währungspolitik des heutigen Europa nichts mehr bedeute. Chown zitiert den Genfer Ökonomen Wyplosz, wonach damals Frankreich, Italien und Spanien erkannten, dass sie die Kontrolle über ihre eigene Währungspolitik verloren hatten. Weiter zitiert er den amerikanischen Ökonomen Martin Feldstein: "Frankreich und andere sehen die EMU als eine Gelegenheit, deutscher Dominanz zu entfliehen." Schließlich zitiert Chown den amerikanischen Politologen Larry Siedentop, für den ein zentrales Problem der EMU der Wettstreit zwischen unterschiedlichen und vielleicht miteinander unvereinbaren Staatsmodellen ist. Leider, so meint Siedentop, eigne das britische Staatsmodell der von unten nach oben gewachsenen und funktionierenden Souveränität sich nicht zum Export, wohingegen das französische Modell mit seiner eingebauten Vorliebe für Staatsmacht leicht über die gesamte EU hinweggezogen werden könne. Chown identifiziert sich mit Siedentop, dass die Europäer in Staaten zu leben verdienten, deren Selbstverständnis ist, dem Bürger zu dienen.

 

 

 

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Welche Positionen muß Deutschland überprüfen?

Alles in allem bin ich der Überzeugung, dass Deutschland seine heute in der EU eingenommenen Positionen in mehrfacher Hinsicht überprüfen muss. Zunächst passt es nicht zu der BIP-Durchschnittsposition Deutschlands (siehe nochmals Graphik von Eurostat), dass Deutschland immer noch der grösste Netto-Zahler der EU ist. Sodann darf unter keinen Umständen eintreten, dass sich der heutige deutsche Netto-Beitrag noch erhöht, was in den Brüsseler Couloirs gesprochen wird und in der deutschen Tagespresse nachzulesen ist. Weiter muss Deutschland eine Gegenleistung dafür einfordern, dass es durch das Zurverfügungstellen seines Niedrigstzinses ab dem ersten Euro-Tag anderen Euro-Ländern wie Italien usw die Zinsen verbilligte, um schätzungsweise 120 Milliarden Euro pro Jahr, mehr als das offizielle EU-Budget, das sich nur auf rd 100 Milliarden Euro pro Jahr beläuft. Weiter sollte Deutschland, wenn es denn indexierte Staatsanleihen herausbringt, deren Index auf die innerdeutsche Inflation beziehen. Schliesslich - und diesen Vorschlag habe ich schon gemeinsam mit meinem Kollegen Otto Steiger gemacht ("Europas ‚Schuldenkönig' und sein Realzins") sollte Deutschland als Mindestforderung für den Verbleib im Euro fordern, dass alle Mitgliedsländer ihre Staatsanleihen indexieren, und zwar auf Basis eines einheitlichen Realzinses von - sagen wir - 3%, ergänzt um Indexklauseln gemäß der jeweiligen nationalen Inflationsrate des Emittenten. Einen Artikel, den ich hierzu am 26. Oktober 2004 im HANDELSBLATT hatte, füge ich in Original- und Langfassung bei.

Nochmals: Deutschland hatte im Durchschnitt der 50 DM-Jahre eine jahresdurchschnittliche Inflation von 2,7%, aber ein reales Wachstum von 2,5%. Seit Einführung liegen beide Werte bei der Hälfte. Damit fehlen dem deutschen Staat täglich Einnahmen. Denn die Besteuerung der Bürger geht vom Nominalwertprinzip aus, beruht also auf dem nominalen Zuwachs des BIP: 5,2% im Durchschnitt der 50 DM-Jahre. Kein Wunder, dass der deutsche Staat auch 2005, zum dritten Mal nacheinander, die 3% Verschuldungsgrenze des Maastricht-Vertrages reissen wird: Ihm fehlen Einnahmen, und zwar wegen des Euro.

Mein Bremer Kollege Otto Steiger hat zu diesem Fragenkomplex einen höchst bedeutsamen Artikel geschrieben "Die vier Achillesfersen des Eurosystems." Der Leser findet ihn anliegend.

Gemeinsam mit Steiger habe ich zu diesem Themenkreis die beiden anliegenden Artikel veröffentlicht.

1. The Four Achilles Heels of the Eurosystem

2. Deutschlands Wirtschaft, seine Schulden und die Unzulänglichkeiten der einheitlichen Geldpolitik im Eurosystem

 

 

 

 

Handelsblatt, 26 Oktober 2004; DER ÖKONOMISCHE GASTKOMMENTAR Seien wir ehrlich mit dem Euro Die Einheitswährung ist eine Wachstumsbremse für Deutschland.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Beiträge zum Thema

 

   

Mein wissenschaftlicher Nachlass befindet sich im Archiv (Hoover-Archives) der Stanford University in Palo Alto (Kalifornien). Zeitnahe IT-Techniken erlauben mir aber den Zugriff auf viele Dokumente.

 

   

So finden Sie anliegend meine Warnung an Kanzler Kohl vor der Maastricht-Konferenz, die, wie bekannt, ohne jede Wirkung geblieben ist.

 

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Weiter füge ich bei eine Europa-Projektion, die ich 1994 veröffentlicht habe. Sie enthält den generellen Ratschlag, die weitere Entwicklung der EU ausschliesslich organisch zu betreiben, sich also auf ein Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten einzustellen. Die EU solle versuchen, von der Tendenz zur Interventionsgemeinschaft abzukommen und - endlich - eine Leistungsgemeinschaft zu werden. Eingetreten ist das Gegenteil. Im Jahre 2000 ließen sich die EU-Kommission und alle Mitgliedsstaaten auf ihrer Lissabonner Konferenz dazu hinreißen, die EU per 2010 zum leistungsstärksten Wirtschaftsraum der Welt zu erklären - schon damals erkennbar als Erklärung im Irrealis.

Auch empfehle ich in meiner Schrift von 1994 in puncto Währung den Beginn mit einer "Karolingischen Währungsunion," bestehend aus Frankreich, Deutschland und den Benelux-Ländern.

 

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Hier findet der Leser eine Arbeit über "Internationale Liquidität aus deutscher Sicht," die ich im Mai 1969 zu einer internationalen Konferenz in Wilton Park / England vorgelegt habe. Amerikanischer Referent war übrigens Alan Greenspan, der später der Steuermann des US Federal Reserve System wurde, der Emissions- und Verwaltungsstelle des Dollar (Notenbank). Wenige Monate nach dieser Konferenz begann bekanntlich die Aufwertung der DMark und anderer Währungen gegenüber dem Dollar, der Anfang vom Ende des Festkurssystems von Bretton Woods. Ich beendete meinen Vortrag im Mai 1969 mit den Worten: "Vorläufig bleibt jedoch der Eindruck zurück, dass die Entscheidungen, die das Vertrauen in die schwachen Währungen wiederherstellen sollten, viel zu langsam reifen und vielleicht nicht rechtzeitig vor der nächsten Währungskrise zum Ergebnis führen." So kam es.

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Anbei findet der Leser einen Vortrag von mir, den ich im April 1989 für eine Veranstaltung der LIST-Gesellschaft erstellt habe, sowie eine zusammenfassende Darstellung der LIST-Redaktion über diese Konferenz. Die Durchsicht dieser Seiten dürfte für den Leser besonders reizvoll sein, weil die Konferenz eine Projektion für 1992 versuchte - natürlich ohne zu ahnen, dass wenige Monate nach der Konferenz die Berliner Mauer fallen würde. Insgesamt: Ein Beitrag zum Auseinanderfallen von Projektion und Wirklichkeit.

 

 

 

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An dieser Stelle findet der Leser einen Vortrag von mir in französischer Sprache "Perspectives nouvelles pour notre vieux continent." Ich hielt ihn 1988 im Cercle Franco-Allemand in Paris.

 

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1983 widerfuhr mir eine besondere Ehre. Die deutsche Gruppe des Forex-Club, also der deutschen Währungs- und Devisenspezialisten, bat mich um einen Vortrag: "Internationale Wirtschaftspolitik und industrielle Strukturen."

 

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"Währung wird zu Schicksal." Dieses Thema war mir im Juli 2000 eine Notiz wert, die der Leser hier findet.

 

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An dieser Stelle befasse ich mich mit der Dollar-Krise von 1973. Dieses ist ein Text, den ich am 9. März 1973 abgeschlossen habe. Ich fand ihn bei Durchsicht meines wissenschaftlichen Nachlasses, fast drei Jahrzehnte später. Hiermit lege ich ihn zur Lektüre vor, ohne jedwede Änderung. In der heutigen Rückblende steht er sozusagen auf halbem Wege zwischen dem Festkurs-Währungsystem von Bretton Woods, dem auch die DMark nach ihrer Schaffung beitrat, und dem Euro als einer übernationalen Währung für derzeit 12 Nationalstaaten.

 

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Aus jüngster Zeit füge ich verschiedene Texte bei, darunter Vorträge und einen Brief an Bundesfinanzminister Eichel:

  • Stellungnahme Dieter Spethmann gegenüber der FAZ zu einem Interview mit der Oekonomin Weder di Mauro, FAZ vom 16. Juni 2005
  • über oekonomische Modelle: Hier werden Modelle seit der Zeit Karls des Großen behandelt, die allesamt bestätigen, dass nur wirtschaftliche Konvergenz Grundlage einer gemeinsamen Währung sein kann.
  • Rotary: Könnte oekonomische Konvergenz durch politischen Befehl erzwungen werden, hätten auch Zentralverwaltungswirtschaften wie die ehemalige DDR ihre Chance.
  • an Eichel: Niemand kann rechtens von Deutschland verlangen, es solle den Euro stabil halten - auch zu Lasten des eigenen Wachstums.
  • Dieter Spethmann zum Thema „Deutschlands Schulden und der Euro – oder: Warum dem Koalitionsvertrag die Geschäftsgrundlage fehlt“ (16. November 2005)
 

 

 

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Otto Steiger und Dieter Spethmann zu Europas "Schuldenkönig"

Hier findet der Leser einen Aufsatz, den ich Mitte 2004 gemeinsam mit meinem Kollegen Dr. Otto Steiger verfasst habe, seines Zeichens Professor Emeritus an der Universität Bremen und hochangesehener Geldtheoretiker sowie Spezialist für Notenbankfragen: "Europas ‚Schuldenkönig' und sein Realzins." Hier wird im einzelnen ausgeführt, zu welchen Folgen die in der Euro-Zone anhaltende Spreizung der Realzinsen führen kann und wird.

 

 

 

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Otto Steiger: Which Lender of Last Resort?

Eine hochinteressante Arbeit von Otto Steiger "Which Lender of Last Resort for the Euro-System," in englischer Sprache. Ich kann nur jedem raten, diesen Text zu studieren. Er befasst sich in grossem Detail mit einer anderen strukturellen Schwäche des Euro-Systems (neben dem von Steiger und mir behandelten Realzins-Spread).

Zusätzlich hat Otto Steiger mir einen zu dieser Thematik in deutscher Sprache erstellten Text aus dem Jahre 2002 zur Verfügung gestellt, den ich ebenfalls beifüge und zum Studium empfehle.

 

 

 

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Gunnar Heinsohn und Otto Steiger: Der "Eurokaiser"

Schliesslich findet der Leser eine zusammenfassende Betrachtung der Schwächen des "Eurokaisers" aus der Feder meiner Kollegen Otto Steiger und Gunnar Heinsohn - in einer Darstellungsform, deren sprachliche Leichtigkeit umso deutlicher erkennen lässt, um welch schwerwiegende Mängel es sich bei dieser politischen Währung handelt."

 

 

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Prof. Dr. jur. Dr.-Ing. E.h. Dieter Spethmann - 2011
Realisierung: Ulrich Schröter & Partner